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Lessings Ringparabel im 21. Jahrhundert oder Wahrheit und Wahrscheinlichkeit

Ein Aufruf zur Wahrheit

 

 

 Aus einer E-Mail: „[…] Von diesem schöngeistigen Geschwätz über wandelbare Wahrheiten im Plural, der pseudowissenschaftlichen Knallerbse des Relativismus oder gar dem besonders bei Frauen beliebten Konstruktivismus kriege ich wechselweise Lachanfälle und das Kotzen […]“ Der Verfasser ergeht sich noch wortreich im selben Tonfall, am Ende gibt es dann noch eine Buchempfehlung - Paul Boghossian: Angst vor der Wahrheit. Boghossian, einer jener modernen Philosophen, die messerscharfes analytisches Denken zur Lösung politischer und kultureller Probleme feilbieten, ist Professor in New York, von wo aus er mit der Waffe der Logik etwa den weibischen Quatsch von gesellschaftlich konstruierten Wahrheiten bekämpft. Unbestreitbar ist nach den über hundert Seiten formallogischer Deduktion des empfohlenen Buches, um eines seiner Ergebnisse vorwegzunehmen, ein Kamel in der Wüste tatsächlich ein Kamel. Daran gibt es nun wirklich nichts mehr zu rütteln. Und zwar unabhängig von unserer Beobachtung oder Würdigung des guten Kamels. Die Naturwissenschaft scheint damit vor der Bedrohung des Konstruktivismus erstmal in sichere Gefilde hinüber gerettet zu sein.

 

An dieser Stelle sollte ich vielleiht einräumen, dass ich nicht eine Seite von dem empfohlenen Schmutz gelesen habe, Gott bewahre. Und ich bin katholisch, es bewahrt also im Zweifel ein logisch schon allzu oft bewiesener Gott. Stattdessen habe ich nach Erhalt dieser E-Mail Lessings Nathan der Weise gelesen. Und mir scheint, ich habe darin die Antwort auf die Frage gefunden, die in der E-Mail wie auch in Boghossians Buch (nicht) gestellt wird... 

 

 

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